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Dreißg Jahre Workcenter. Retrospektive

19./06./2016 {Sonntag} 18:00 Uhr
Studio Na Grobli (Studio am Schutzdeich)
In englischer Sprache mit Simultanübersetzung ins Polnische

Eintritt frei

Thomas Richards nimmt die Zuschauer mit auf die Reise über einzelne Etappen der performativen Forschungen, die bei Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards geführt werden. In den 30 Jahren der Arbeit hat Workcenter viele Werke in wichtigen Momenten deren Realisierung dokumentiert. „Retrospektive”, die eine Analyse, Filmvorführungen und Diskussionen verbindet, präsentiert die Praxis („praxis” ) von Workcenter seit der Entstehung des Zentrums, in der Zeit als es in der Domäne der Kunst als Vehikel tätig war, über die Phase extremer Öffnung, bis hin zu den neusten Opus-Performances, der Verkörperung aktueller Forschungen, welche nicht nur einem tieferen Verständnis des Menschen im Handeln dienen sollen, sondern auch der Vergrößerung der Anzahl von Arten, wie die Grundaspekte der Forschungen einen Kontakt mit Kultureinheiten und Gesellschaften aufnehmen können.

Thomas Richards (Bachelor der Universität Yale, M.A. der Universität Bologna, Doktor der Université de Paris VIII) ist künstlerischer Direktor von Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards. Er begann sein Praktikum bei Grotowski 1985. Zuerst arbeitete er als dessen Assistent, kurze Zeit später als Leader eines der Arbeitsteams, mit der Zeit als „essentieller Mitarbeiter“. Anschließend wurde Richards Direktor von Research Program on Performing Arts, das bei Workcenter in dem Kunst als Vehikel genannten Bereich umgesetzt wird. Er war Hauptautor und „Handelnder“ des Opus` „Downstairs Action”, das bei Workcenter in der Domäne Kunst als Vehikel realisiert wurde (aufgenommen aufs Filmband von Mercedes Gregory 1989), Autor und „Haupthandelnder“ bei” „Akcja“ („Aktion“) und Autor und „Handelnder“ bei Litera (Buchstabe), dessen erste Etappe den Titel „The Twin: An Action in Creation” trug. Zudem kommt seine Rolle als Mitregisseur der Werke „Zostało jedno tchnienie“ („Nur ein Atemzug ist geblieben“), „Zostało jedno tchnienie – dies irae“ („Nur ein Atemzug ist geblieben – dies irae“), „Dies irae”, „Dies irae – mój niedorzeczny show theatrum interioris“ („Dies irae – meine sinnlose Show Theatrum Interioris“) und des im Rahmen eines Projekts entstandenen Werkes „The Bridge: Developing Theatre Arts”, sowie als künstlerischer Direktor des Projekts „Tracing Roads Across” (2003–2006, Förderung im Rahmen des Programms Kultur 2000 der Europäischen Union) und des Programms „Horyzonty“ („Horizonte“) (Wrocław 2007–2009), das mit dem von ihm geführten Festival Zero Budget (2009) abgeschlossen wurde. Seit 2008 führt er bei Workcenter eine neue Gruppe, die unter dem Namen Focused Research Team in Art as Vehicle tätig ist. Aktuell führt er Regie und arbeitet am Opus „The Living Room” und „L’heure fugitive” (das erste Werk von Workcenter, das völlig auf Französisch umgesetzt wird) und an einem Werk anhand der Texte von Dostojewski unter dem Arbeitstitel „Podziemie: Odpowiedź Dostojewskiemu“ („Untergrund. Die Antwort an Dostojewski“), dessen Premiere während des Fringe-Festivals in Edinburgh im August 2016 stattfindet. Sein Eigen kann er bereits einige Bücher in verschiedenen Sprachen nennen, z.B. : „Pracując z Grotowskim nad działaniami fizycznymi“ („Als ich mit Grotowski an körperlichen Handlungen arbeitete“) (1993, polnische Ausgabe: Krakau 2003), „Punkt graniczny przedstawienia“ („Grenzpunkt der Aufführung“) (1997, polnische Ausgabe: Wrocław 2004) und „Heart of Practice: Within the Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards” (2008).

Workcenter of Jerzy Grotowski (seit 1996 Workcenter of Jerzy Grotowski and Thomas Richards) entstand 1986 in Pontedera (Italien) aus Initiative von Jerzy Grotowski, Centro per la Sperimentazione e la Ricerca Teatrale (heute Fondazione Pontedera Teatro) und der Kalifornischen Universität in Zusammenarbeit mit Peter Brook (Centre International de Créations Théatrales) als Institut der permanenten Bildung für erwachsene Künstler. Dort führte Jerzy Grotowski in seinen letzten 13 Lebensjahren (bis zum Tod im Jahr 1999) performative Recherchen in der Domäne Kunst als Vehikel durch, bei der – wie im Fall einiger uralter Traditionen – künstlerisches Tun mit einer menschliches Innere hervorhebenden Einstellung einhergeht. Im Rahmen seiner Forschungen arbeitete Grotowski eng mit Thomas Richards zusammen, den er seinen „essentiellen Mitarbeiter” nannte. Danach fügte er dessen Namen dem Namen Workcenter bei. In diesen 13 intensiven  Jahren übergab Grotowski Richards die Frucht seiner Recherchen, gemäß seinen Worten - den „inneren Aspekt der Arbeit”.

Grotowski setzte Richards und Mario Biagini, das Schlüsselmitglied von Workcenter von Beginn an, als einzige Erben seines Werks ein, zu dem alle Schreiben des Künstlers gehören. Seit 1999 führen Richards und Biagini (entsprechend in den Funktionen des künstlerischen Direktors und des stellvertretenden Direktors von Workcenter) die von Grotowski initiierten Forschungen fort.

Ab der Saison 2007/2008 arbeiten im Rahmen von Workcenter zwei Teams: Focused Research Team in Art as Vehicle (Team der Zielrecherchen im Bereich der Kunst als Vehikel), geführt von Thomas Richards, und Open Program (Offenes Programm), unter der Leitung von Mario Biagini. Workcenter vereint 20 Künstler aus 10 Ländern und der Fokus seiner Aktvitäten liegt auf systematischer Suche im Bereich der performativen Künste („performing arts”). Workcenter legt großen Wert auf berufliche Entwicklung der Truppenmitglieder, versucht nach Möglichkeit ihnen bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer kreativer Fähigkeiten zu helfen. Grotowski wollte es nie, dass seine Suche sich in dogmatische Praxis verwandelt. Ganz im Gegenteil, er betonte immer wieder die Notwendigkeit der Entwicklung. Bei Workcenter  tauchen neue Entdeckungen im Zuge der Handlungen, der unaufhörlichen Recherchen auf, die um einen Live-Kontakt zwischen den Generationen und dem gesammelten praktischen Wissen angereichert sind. Aktuell ist Workcenter beim Nationaltheater – der Stiftung Teatro della Toscana verankert.

Mehr Informationen auf: www.theworkcenter.org

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